Voll normal

3 03 2008

Was ist schon normal? Erst kürzlich sah ich mich überraschend und nach sehr langer Zeit wieder einmal mit dieser Frage konfrontiert. Als Kind und Heranwachsender traktierten mich meine Eltern häufig mit dem Satz: „Kannst Du Dich nicht mal wie ein normaler Mensch benehmen?“ Dieser Satz traf mich meist dann, wenn ich es am wenigsten erwartet hatte. Meist ging ihm ein gewisser Bewegungsdrang, gepaart mit einer partiellen Geistesabwesenheit meinerseits voraus. Ich konnte augenscheinlich nicht so gut normal sein, wenn ich nicht alle meine Sinne beisammen hielt.

Das Normale hat mich als Ver- haltensmaßstab von Hause aus nie sonderlich gereizt. Das war eher der Teil unseres Familienlebens, der sich sehr langweilig dahinzog. Normverletzungen brachten da doch hin und wieder etwas Abwechslung. Heute hingegen find ich die Abkehr vom Normalen schon mal beunruhigend.

An dem ersten frühlingshaften Samstagnachmittag im Februar passierte mir in einem sonnenbeschienenen nordbadischen Biergarten folgendes: Ich bestellte ein Tonic Water und der Kellner stellte mir die Gegenfrage „Groß oder klein?“ Hatte ich es doch in den letzten Jahrzehnten als ausgesprochen angenehm empfunden, dass ein Tonic Water überall in Deutschland ein Tonic Water geblieben war und es überall in Deutschland in unabänderlich feststehenden Mengen von 0,2 Litern serviert wurde – vorzugsweise und wenn nicht anders verlangt, mit Eis und Zitrone. Bislang erschien mir das wie ein Gesetz, das in Tontafeln geritzt auch noch die nächsten zweitausend Jahre Bestand haben würde. Die Bestellung eines Tonic Waters gab noch niemals Anlass zu lästigen Fragen und Wünschen nach Präzisierungen. Nie war man solch qualvollen Verhörsituationen ausgesetzt, wie man sie als Gelegenheitsesser bei McDonalds überstehen muss: Menü? Soße? Fritten? Groß, mittel, klein? Zum Mitnehmen?

Bei Apfelsaftschorle ist es voll normal, dass man seiner Bestellung ein differenzierendes „groß“ oder „klein“ hinzufügt. Auch ein Pils kommt in ganz unterschiedlichen Abfüllmengen vor und man kann seine Kneipenkonversation ganz entspannt weiter verfolgen, wenn man seine Bestellung gleich in Richtung „großes Pils“ oder „kleines Pils“ präzisiert. Tonic Water jedoch war ähnlich wie Bitter Lemmon oder Ginger Ale bislang eine wirksame Rückversicherung gegen genußverzögernde Nachfragen bezüglich der Quantitäten der Bestellung. Die verlangte Qualität erstickte jede Frage nach Quantitäten im Keim. Schweppes, das waren Null-Komma-Zwo-Liter-Flaschen und ein Glas plus Eis, plus Zitrone und wenn es ein Gin-Tonic sein sollte, auch plus Gin. So war es in der Welt bisher geregelt, und das war auch gut so!

Ich antwortete in jenem sonnenbeschienenen Biergarten auf die unerwartete Frage, ob das Tonic Water in groß oder in klein angeliefert werden solle, mit einem sehr herablassenden „normal“, worauf der Kellner tatsächlich zur Ausführung des Auftrags enteilte. Meine Begleiterin machte mich sogleich darauf aufmerksam, dass „normal“ keine Antwort auf die Frage gewesen sei. Ich erwiderte, dass ich davon ausgehe, dass auch einem Kellner der Sinn für das Normale nicht vollkommen abhanden gekommen sein dürfte. Die Lieferung gab mir Recht: Ich erhielt Null-Komma-Zwo-Liter Tonic Water, allerdings ohne Zitrone.

Als ich am Abend des gleichen frühlingshaften Tages zum Tanken anhielt, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass etwas an den groß angeschlagenen Preisen der unterschiedlichen Treibstoffsorten nicht so ganz normal sein konnte: Gab es jetzt Super zum Preis von Normalbenzin? Oder, noch schlimmer, Normalbenzin zum Preis von Super? Jedenfalls stand bei beiden Sorten 141,9 Eurocent der Liter.

Für die meisten, die das jetzt lesen, mag das Schnee von Gestern sein. Wie ich hörte hat Aral bereits im November 2007 den Preis für Normalbenzin auf den Preis für Super erhöht. Eine satte Preiserhöhung für all diejenigen, denen Normalbenzin bisher genügte. Der Marktanteil der Otto-Normal-Tanker hat sich seither von 25 Prozent auf 14 Prozent reduziert. Jetzt denken die Mineralölkonzerne darüber nach Normalbenzin komplett abzuschaffen. Der Ami-Blog schreibt dazu: „‘Schuld’ sei der Absatzeinbruch bei Normal-Benzin. Nur noch 14 Prozent statt 25 Prozent mache der Anteil von Otto Normal am Gesamtabsatz aus. Womit die Konzerne erreicht haben dürften, was sie wollten: Normal teurer machen, damit Super mehr gekauft wird. Super gemacht, liebe Multis. Nächste Stufe: Super wird teurer, weil’s ja mehr nachgefragt wird.“ Tja, so funktioniert die Preisbildung in der Marktwirtschaft.

Dem Magazin der Süddeutschen Zeitung war dies Anfang Februar unter der Überschrift „Das Prinzip Normal“ einen Beitrag wert. Andreas Bernard schreibt dort: „Vertraute Eichpunkte, Standards und Normgrößen lösen sich auf und werden von Kategorien ersetzt, die ursprünglich für einen besonderen Mehrwert, einen Überschuss standen. Wie an den Zapfsäulen nun kein »Normal« mehr getankt werden kann, gibt es in Cafés oder Kinos die Getränkegröße »Medium« nicht mehr (geschweige denn die Einheit »klein«.) Die Kaffeegrößen bei Starbucks beginnen bekanntlich bei »tall«, gefolgt von »grande«; die Skala besteht also nur noch in Varianten von groß. Und wer in Multiplex-Kinos arglos mittlere Popcornbecher bestellt, darf mit Portionen in Eimergröße rechnen.“

Es ist schon klar wie die Abschaffung des Normalbenzins von Aral und Konsorten kommuniziert werden wird. Es handelt sich um ein Upgrade im Sinne des Klimaschutzes, da Super einfach super Leistung bringt und auch nicht mehr Kohlendioxyd emittiert. Alles voll normal, oder?

Das Foto stammt vom Autor des Beitrags und steht unter Creative Commons Licence.





Vergeßt Brasilien

8 11 2007

Dieser kleine Text handelt von verpassten Gelegenheiten. Brasilien zum Beispiel hat die Gelegenheit verpasst, sich bei mir einzuschmeicheln – das ist unwiderruflich und und wird sich auch bis zur Fußball WM 2014 nicht mehr ändern. Wie das kam, das ist die eine Sache. Auf dem Flughafen von Sao Paulo habe ich eine Gelegenheit verpasst – das ist eine ganz andere Sache. Die ist aber weniger schlimm.

Am 6. November 2007 um 8:30 Ortszeit habe ich auf dem Flughafen Guarulhos in Sao Paulo Doris Dörrie gesehen. Ich habe kein Foto von ihr und ihren Begleitern gemacht, weil mir das zu aufdringlich gewesen wäre. Sie stand jedenfalls wenige Minuten vorher genau da, wo jetzt auf diesem Foto keiner mehr steht. Mit drei Begleitern ist sie kurz zuvor durch das Gate 4B Richtung Montevideo verschwunden. Da ich kein Foto gemacht habe, kann ich das nicht beweisen. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es Doris Dörrie war.

Ich habe auch schon einmal ganz zufällig Udo Lindenberg getroffen. Auch davon habe ich kein Foto. Getroffen habe ich ihn im engeren Wortsinn ja nicht, sondern nur gesehen, zufällig eben, im Requisitenverkauf der „Komischen Oper“ Berlin, ganz in der Nähe des Hotels Adlon. Am Anfang hab ich ihn eigentlich nur gehört. Da trällerte einer so vor sich hin, und ich dachte, das hört sich ja an wie Udo Lindenberg. Kurz darauf sah ich die Gestalt, die da trällerte, und weil die aussah, wie Udo Lindenberg, war ich mir dann sicher, dass das Udo Lindenberg sein mußte. Udo Lindenberg kannte sich im Requistenverkauf gut aus und die Requistenverkäufer schienen in gut zu kennen. Einem Requistenverkäufer erzählte er, dass er mit Hape Kerkeling irgendetwas im Hotel Adlon zu tun gehabt hatte. Vielleicht hatten sie auch nur was zusammen getrunken. Ich weiß ja nicht, ob sich Hape Kerkeling das Hotel Adlon überhaupt leisten konnte. Das war ja noch vor seinem Buch über den Weg zu sich und über den Jakobsweg. Mir fiel auf, dass Udo Lindenbergs Haare, so wie sie unter dem Hut herabfielen, sehr dünn aussahen. Da ich kein Foto habe, kann ich das leider nicht beweisen. Es sah auf jeden Fall so aus, als seien unter dem Hut nur noch ganz wenige Haare.

Gabi Bauer, die früher einmal die Tagesthemen moderierte, wohnte einmal in der gleichen Pension wie ich. Das war zu einer Zeit, als sie noch die Tagesthemen moderierte. Sie und ich, wir waren in Mallorca in einer Segelschule und sahen uns immer abends in der Kneipe. Sie wird sich daran kaum erinnern, da sie mit ihrer Bezugsgruppe, zu der auch ihr Lebensgefährte gehörte, kräftig einen drauf machte. Leider habe ich auch davon kein Foto. Kurze Zeit später hieß es, sie sei schwanger. Dies wurde nicht dementiert. Sie schmiß ihren Job bei den Tagesthemen und bekam Zwillinge. Jetzt moderiert sie wieder das ARD-Nachtmagazin. Da spart sie sich wahrscheinlich die Tagesmutter.

Auf dem Frankfurter Flughafen habe ich einmal den ehemaligen Umweltminister der Bundesrepublik Deutschland Jürgen Trittin gesehen. Der sieht im Anzug wirklich saugut aus. Leider habe ich auch davon kein Foto. Mit Doris Dörrie weiß ich mich in einer Sache sehr einig: Die Verhältnsse in Brasilien sind sehr seltsam und ziemlich durcheinander. Am Gate 4A bis 4D auf dem Flughafen Guarulhos von Sao Paulo wurden am Morgen des 6. Novembers 2007 vier Flüge abgefertigt, die alle zwischen 8:45 und 9:30 starten sollten. Die Passagiere wurde nur an Gate 4A abgefertigt. Die Gates 4B bis 4D waren unbesetzt. Abgefertigt wurden nur die Flüge, die laut regulärem Flugplan schon längst weg sein sollten. Mein Flug nach Buenos Aires startete mit zwei Stunden Verspätung.

Auf dieser Geschäftsreise von Buenos Aires nach Joao Pessoa und zurück flog ich viermal mit der brasilianischen Fluggesellschaft TAM. Alle vier Flüge starteten verspätet und natürlich kamen sie auch verspätet an. Das liegt nicht an TAM, das liegt an Brasilien. Auf dem Flughafen Guarulhos gibt es beispielsweise keine mit Gepäck befahrbare Rolltreppe zwischen den internationalen Arrivals und den nationalen Departures. Alle, die aus dem Rest der Welt in Sao Paulo ankommen und von Sao Paulo einen anderen brasilianischen Flughafen erreichen möchten, klemmen sich mit ihrem Gepäck in zwei Aufzüge, die von den Arrivals zu den Departures führen.

Auf dem neuen internationalen Flughafen von Joao Pessoa kann man eine andere Form der Desorganisation erleben: Ist man durch den Sicherheitcheck, dann funktionieren die Monitore mit den Fluginformationen nicht mehr. Um sehen zu können, ob ein Flug aufgerufen wird oder Verspätung hat müsste man aus dem Sicherheitsbereich hinaus. Das geht aber nicht. Es gibt Lautsprecheransagen, aber die versteht man nicht. So ist Brasilien.

Das Auschecken in einem Hotel in Joao Pessoa kann locker eine Stunde dauern. Oder man will einen zweiten Zimmerschlüssel. Einen Tag später verlangt man ihn nochmals. Hat man Glück, dann klappt es, wenn man ein drittes Mal nachhakt. Keiner entschuldigt sich für solche Unaufmerksamkeiten, niemand tut etwas dagegen und keiner fühlt sich für irgendetwas verantwortlich.

Das alles könnte man verzeihen. Die Tropen sind oft traurig und manchmal tief in sich versunken. Dinge funktionieren anders und manchmal langsam. Auf dieser kurzen Reise habe ich jedoch dreimal den auf portugiesisch ausgesprochenen Satz gehört: „Wir sind Brasilianer und wir sprechen portugiesisch!“ Das war die Antwort auf die Frage: „Sprechen Sie Englisch?“ Das letzte Mal hörte ich diesen Satz, nachdem ich eine Stunde in der Schlange zum Sicherheitscheck am Flughafen Guarulhos stand. Die brasilianische Sicherheitskraft machte sich nicht die Mühe mir verständlich zu machen, welcher wichtige Stempel auf meiner Boardingcard fehlte. Auch wenn man nicht Englisch spricht, kann man versuchen verständlich zu machen, was fehlt und was zu tun ist. Aber Brasilianer sind so stolz Brasilianer zu sein, dass dies gut als Ausrede für ihre Faulheit ein paar Brocken englisch zu lernen dienen kann. Als Opfer dieser dummen Arroganz kann ich nur sagen: Verottet doch mit eurem Portugiesisch in euren traurigen Tropen. Vergeßt Brasilien! 2010 und 2014 spielen wir euch an die Wand.

PS: Im Frühjahr 2006, an dem Tag als die Stones an der Copacabana ihre World Tour eröffneten, dachte ich, ich hätte im Hotel Gustavo Kürten gesehen. Er war es nicht. Das weiß ich auch ohne Foto.

Die Fotos stammten vom Autor des Beitrags und stehen unter Creative Commons Licence.





Das Gelbe vom Ei

7 11 2007

Lima finden ganz viele Menschen prima – schließlich gehört das historische Zentrum der peruanischen Hauptstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Lima gehört zu Peru und in Peru liegen so tolle Orte wie Machu Picchu, Cuzco und ein Teil des Titicacasees. Auch das finden viele ganz, ganz prima. Ich finde, Lima ist nicht das Gelbe vom Ei – auch wenn sich diese Stadt mit ganz vielen Rätseln interessant machen will.


So rätselhaft wie die Nazca-Linien im Süden Perus, ist, dass man als Reisender in Lima ganz überraschend auf umgestürzte Polizeifahrzeuge trifft. Solche Attraktionen habe ich sonst noch nirgendwo gesehen. Diese Polizeifahrzeuge sind durch die Einwirkung einer geheimnisvollen Kraft auf gerader Strecke umgestürzt. Vollkommen rätselhaft ist, dass dabei kein Mensch verletzt wurde. Die Aufräumungsarbeiten werden sehr unaufgeregt und routiniert erledigt – ein Beleg dafür, dass dieses Phänomen der umgestürzten Polizeifahrzeuge hier häufig auftritt.

Ähnlich rätselhaft ist die Beliebtheit von Chicha morada. Die normale Chicha wird aus vergorenem Mais hergestellt und ist ein bierähnliches alkoholisches Getränk, das bevorzugt in den Andenregionen Südamerikas getrunken wird. Chicha morada ist die alkoholfreie Variante, die aus violettem Mais hergestellt wird. Sie schmeckt säuerlich und selbst eisgekühlt ein wenig verdorben. Trotzdem trinken die Limaten – wie ich die Bewohner Limas insgeheim nenne – diesen Saft in großen Mengen. Manche Touristen bestätigen, wenn sie von Einheimischen gefragt werden, Chicha morada schmecke gut. Aber das ist reine Höflichkeit und nicht die Wahrheit.

Wahr ist aber ein anderes großes Rätsel, das mit einem sehr schmackhaften Getränk zu tun hat. Pisco Sour ist das alkoholische Nationalgetränk Perus. Mit dem südlichen Nachbarn Chile streitet man erbittert darüber, wer den Pisco erfunden hat. Umstritten ist auch welches der beiden Völker den besseren Pisco brennt. Die Limaten sind überzeugt davon, dass der chilenische Pisco minderwertig ist. Die Chilenen hingegen wissen, dass sie ihren Pisco wesentlich besser vermarkten und den erheblich größeren Anteil der Welt-Pisco-Nachfrage bedienen.

Ein Pisco Sour besteht aus drei Teilen Pisco, je einem Teil Limettensaft, Zuckersirup und Eiklar und wird mit Eis gemixt. Auf die Krone kommt ein Spritzer Angostura bitter und fertig ist eines der schmackhaftesten, aber auch gefährlichsten Mixgetränke der Welt. In jedem Pisco befindet sich geschlagenes Eiweiß. Alleine die Limaten und ihre Besucher aus aller Welt trinken täglich schätzungsweise 4 Millionen Piscos. Das große Rätsel dabei ist: Was geschieht mit dem Eigelb? Keiner der dazu befragten Limaten wollte dazu eine Antwort geben. Die meisten taten so, als vestünden sie die Frage nicht. Das Verschwinden des Eigelbs scheint an eines der großen Tabus der peruanischen Gesellschaft zu rühren.

Von den Limaten war dazu keine Auskunft zu bekommen. In einigen Wochen werde ich den Chilenen die gleiche Frage stellen. Vielleicht kann dann das Rätsel gelöst werden.

Die Photos stammen vom Autor des Beitrags und stehen unter Creative Commons Licence.





Witzige Kreaturen

1 10 2007

In der sogenannten Blogosphäre trifft man manchmal Kreaturen, die den Fantasien eines Science Fiction Autors entsprungen sein könnten. Eines dieser Aliens nennt sich Don Alphonso – mit bürgerlichem Namen Rainer Mayer – und von Beruf will er Journalist sein. Aber eigentlich ist er so etwas wie der Pinochet der Bloggerscene. Auch für eine Praktikantenstelle bei der Militätdiktatur von Myanmar könnte er sich mit guten Chancen bewerben.

Was in den letzten Stunden geschah! Auf einen substanzlosen Beitrag des sogenannten Don Alphonso zum Thema Tag Clouds postete ich eine Kommentar mit dem Tenor, es gäbe Wichtigeres als Glaubenskriege um Tag Clouds zu entfachen. Im schlechtesten Falle seien sie überflüssig. Im besten Falle sind sie Lyrik. Der Kommentar enthielt einen Link auf meinen Beitrag zum Thema Tag Cloud Lyrics. Wenig später war mein Kommentar gelöscht und ich konnte stattdessen dort folgende Drohung lesen: „[Schön langsam wird mir die Eigenwerbung diversen Preisvergleicher, Küchentisch-PRler und Awarenessnörgelis zu viel. Wer damit unbedingt auffallen will, sollte sich überlegen, ob er später wirklich mal als Spammer auf einer schwarzen Liste auftauchen will. Ganz oben bei Google mit vielen Daten. Don]„.

Drohungen von Möchtegernjournalisten schüchtern mich niemals ein. Mein Kommentar zu dem überschriebenen Kommentar lautete in etwa wie folgt. „Ups, dem schlechten Ruf der Ihnen vorauseilt, werden sie ja in sekundenschnelle gerecht. Gruß vom Küchentisch.“ Rund zehn Minuten später war auch dieser Kommentar gelöscht.

Da ich noch ein wenig Zeit hatte postete ich diese wenigen Worte: „Ups, da waren es wieder nur 24 Kommentare. Die Kleingeistigkeit mit der Don Kommentare löscht überrascht mich doch. Nochmals Gruß vom Küchentisch.“ Auch dieser Kommentar wurde innerhalb einer knappen Viertelstunde gelöscht.

Minuten später erschien auf Blogbar.de der folgender Beitrag von Don Alphonso:

„Kennen mittlerweile ziemlich viele Blogger: Da kommt ein Kommentar von einem, von dem man noch nie was gehört hat, der entweder ein paar halgbare Worte der Bestätigung hinterherschiebt, oder trollmässig abkotzt und seinen eigenen Link reinklatscht. Verknüpft wird das in der Eingabemaske mit Webseiten wie Tarifedurchchecken23.de, kuchentischpr2000.com, patronenstoff.net, astrologieconsultundhilfe.net und supadollemarketingberatung.co.uk. Manchmal sind es kommerzielle Blogs, oft auch einfach Kommerzseiten. Der Themenbezug ist minimal, oft haben die Knilche noch nicht mal begriffen, worum es eigentlich geht.

Das Problem dieser händisch eingetippten Scheisse ist im momentanen Ausmass – an der Blogbar z bis zu 5 Kommentare am Tag – vergleichsweise neu. es begann vor etwa drei Monaten und wird ganz offensichtlich von den Seiteninhabern selbst betrieben. Ich frage mich, ob es da irgendwelche Seminare, Ratschläge oder Mailings gibt, die das in den letzten Monaten empfehlen. Nach meiner Beobachtung sind davon vor allem “grössere” Blogs betroffen, bei denen man sich zum Kommentieren nicht extra anmelden muss. Nur zwei dieser Spammer sind bislang auch auf meinem Blogger.de-Blog aufgetaucht.

Bislang habe ich den Krempel manuell gelöscht, aber nach dem heutigen Radaubruder, der partout sein PR-Blog ins Gespräch bringen wollte, frage ich einfach mal in die Runde: Was tun? Rechtlich wird es wacklig, weil es tatsächlich nicht reiner Spam ist. Also, was dann? Könnte eine Art Prangerliste bei diesen Freunden helfen? Jojo hat es mal mit der Einstellung der Verlinkung probiert, aber genau das würde ich nicht machen wollen; schliesslich erschwert das die Orientierung beim kommentieren und diskutieren enorm.“

Also der Mann ist entweder im Dauerrausch, ein Alien oder er ist ernsthaft krank. Wie anders als händisch, sollte man seine Kommentare sonst eintippen. Spracherkennung? Die Frage ist, kann man ihm helfen oder sollte man ihn zurück auf Alpha Centauri schießen? Ich tendiere zur letztgenannten Option.

Die Abbildung steht unter Creative Commons Licence.





Produktvergreisung

25 09 2007

Wenn ich schon mal da bin, dachte ich mir, bleib ich noch ein Weilchen. „Ya que estas ahi!“, wie meine halbargentinische Exfrau häufig zu sagen pflegte. Was auf Deutsch soviel heißt wie, „Wenn Du schon mal da bist, kannst Du auch abtrocknen!“ Vor einigen Tagen ging es um Demut und Manufactum. Heute geht es um Manufactum, Apple und Demut.

Der folgender Text aus dem neusten Manufactum Katalog bleibt ohne einen bildhaften Hinweis durchaus rätselhaft: „Wer mit größeren Katastrophen – chipfressenden Kugelblitzen, einem auszufüllenden Formular oder kalifornischen Energieversorgungszu- ständen – rechnet, dem wird der Besitz dieses informa- tionsverarbeitenden Geräts eine herzerwärmende Beruhigung sein. (…) Werkzeuge wirken nicht nur auf das Werkstück ein, sondern auch auf den Handwerker und dessen Kunst.“

Die Frage ist, worum handelt es sich. Ist es der „GÄNSEKIEL GESTUTZT“, von bayrischen Gänsen stammend und in heißem Quarzsand „gehornt“ für nur 4,90 Euro (Antwort A)? Oder ist es die „MECHANISCHE SCHREIBMASCHINE OLYMPIA SG 3N“ für immerhin 550,- Euro (Antwort B)? Oder handelt es sich dabei um das „MANUFACTUM ATOMA NOTITZBUCH- UND METHODIKSYSTEM“ mit einem Preis, der sich modular in die Höhe schraubt (Antwort C)?

Unter den richtigen Einsendungen verlose ich einen MANUFACTUM BROTTOPF EMAILLIERT mit leichten Gebrauchsspuren. Antworten erbitte ich über die Kommentarfunktion – möglichst mit identifizierbaren Absenderangaben – oder per Mail. Der Rechtsweg ist natürlich vollständig und gnadenlos ausgeschlossen.

Aber machen wir zum Thema Manufactum ruhig ein Fass auf, von dem ich nicht weiß, ob es sich in diesem Text rund und schlüssig wieder schließen lässt. Da es nicht die Büchse der Pandora ist, müssen wir uns darum auch nicht sorgen. „Produktvergreisung“, so bezeichnete Wolfgang Fritz Haug 1971 in seiner „Kritik der Warenästhetik“ jene Form der Zeitbeschleunigung, in der Produkte viel schneller Älter wurden als die Menschen, die sie benutzen. Inzwischen ist dies keine marginale Erscheinung mehr sondern eine alltägliche Erfahrung all jener, die vor der Frage stehen, wie weiter konsumieren? „Produktvergreisung“ betrifft nicht mehr nur geringwertige Produkte mit einem modisch-trendigen Äußeren. Zunehmend vergreisen auch Produkte im Zeitraffer, für die man ein paar hundert Euro hinlegen muss.

In jenen fernen Zeiten, in denen ich Kind war, waren Schränke, Möbel und andere Gebrauchsgegenstände noch so haltbar konstruiert und verarbeitet, dass sie ein ganzes Menschenleben hielten. Die besten Stücke wurden auch gerne vererbt. Das Sofa im Wohnzimmer meiner Großmutter stammte noch von ihren Eltern und war der bevorzugte Platz von drei Generationen für den Mittagsschlaf. Mein Patenonkel schenkte mir zur Kommunion eine Armbanduhr. Schon Wochen vorher war ich aufgeregt, da ich ein Geschenk von erheblichem Wert erwartete, das mir die Pforte zum Erwachsenwerden aufstoßen würde. Für die Uhr musste mein Patenonkel richtig sparen. Auf dem Zifferblatt stand in dezenter Schrift „17 Saphire“. Mit einer solchen Armbanduhr war man Jemand.

Ich trug sie ungefähr fünfzehn Jahre lang täglich an meinem linken Arm. Ihr unrühmliches Ende musste mein Patenonkel Gott sei Dank nicht miterleben. In einer Lebensphase, in der ich ziemlich viel dadaistischen Unsinn trieb, nagelte ich sie in einer kleinen privaten Performance in einer Zimmerecke, hoch oben unter der Decke, an die Wand. Dies war als klares Statement gegen den Terror der Zeitmessung gedacht und sollte mich unabhängig vom unaufhaltsamen Vorrücken des Sekundenzeigers machen, der Lebenszeit als ruckhaftes Voranschreiten darstellte, anstatt als fließendes Kontinuum. Dort oben an der Wand blieb die Uhr auch hängen, als ich auszog. Ich habe sie niemals wieder gesehen.

Seit etwa zehn Jahren trage ich wieder eine Armbanduhr. Es ist ein Fliegerchronometer mit Handaufzug und hat – wen wundert es – siebzehn Steine. Von einer kleinen Firma im Schwarzwald wird er in überschaubaren Stückzahlen hergestellt. Der Sekundenzeiger rückt in kaum sichtbaren kleinen Schritten voran. Vergesse ich die Uhr anzulegen, fehlt mir etwas.

Mein iPod hingegen ist ein High-Tech Produkt und kommt direkt aus China. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mir die Version mit 60 Gigabyte Festplatte gegönnt und rund 250 Euro dafür hingelegt. Die 6o Gigabyte-Variante gibt es nicht mehr. Die vergleichbaren Geräte mit 80 oder 160 Gigabyte Festplatte nennen sich heute beschönigend „Classic“. Im Vergleich zum neuen iPod touch sehen sie richtig alt aus.

Apple ist die Computerfirma, deren Innovationszyklen demnächst im Nanosekundenbereich liegen werden. Kauft man ein Apple-Produkt, kann man sicher sein, sich gleich anschließend darüber zu ärgern, nicht noch ein paar Sekunden gewartet zu haben. Das vergällt einem auf Dauer jegliche Konsumeuphorie. Wie toll hingegen ist mein Fernsehgerät der Marke Philips aus dem Jahr 1993. In Bezug auf Zuverlässigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Bildqualität schlägt er noch jeden Liquid Crystal Display Firlefanz inklusive Ambilight.

Ganz anders bei den Produkten mit dem angebissenen Apfel. Wofür steht dieses Symbol? Genau: Für den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies. Statt unsterblich zu sein, driftet der Mensch seitdem unaufhaltsam in Richtung Verfall und Tod. Wer vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, wird vielleicht schlau aber nicht glücklich. Apples angebissener Apfel ist ein klassisches Vanitas-Motiv. Vanitas bezeichnet die christlich-jüdische Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen. In der Kunst der Renaissance findet dieser Konflikt zwischen Demut und Selbstbewusstsein in zahlreichen Kunstwerken Ausdruck. Apples angebissener Apfel sagt uns klar und deutlich: „Nicht nur Du bist sterblich, sondern das Gerät, das vor Dir steht, wird schnell eitler Tand sein. Du wirst es sehen, kaum ist eine Sekunde vorüber, schon gibt es die nächste Generation noch tollerer Geräte und das, auf das du jetzt noch stolz bist, ist hinfällig und ein Entsorgungsfall.“

Eines ist sicher: Mit dem Gänsekiel von Manufactum, in heißem Quarzsand „gehornt“, wird das nicht passieren.

Die Abbildung am Beginn des Artikels zeigt eine Metallschere aus dem Lexikon der gesamten Technik (1904) von Otto Lueger und steht unter Creative Commons Licence.

Die zweite Abbildung zeigt den Sündenfall von Michelangelo und steht unter Creative Commons Licence.





Bombiertes Weißblech

23 09 2007

Der gerade erschienene Warenkatalog Nr. 20 des Waltroper Versandhauses Manufactum glänzt erwartungsgemäß nicht nur durch Dinge, die dem Vergessen entrissen werden, sondern auch mit einer feinen Ironie, die man von einem solchen Katalog kaum erwarten kann. Manufactum liefert, nach eigenem Bekunden, eine „fast literarische Warenkunde von Küche, Möbel, Kleidung, Werkzeug bis Spielzeug“. Manufacum, das ist die tiefere Wahrheit, lehrt uns vor allem die Demut vor den Dingen.

Bereits vor sieben Jahren unternahm Frank Müller unter dem Titel „Im Reich der Dinge“ den Versuch das Phänomen Manufactum umfassend zu beschreiben. So hieß es bereits im Katalog Nr. 11 aus dem Jahr 1999: „Von jedem Thermometer, jedem Küchenherd, jeder Armbanduhr und jeder Personenwaage hat man heute schrille Töne zu vergegenwärtigen. Der Mensch-Maschine-Dialog wird alltagsmächtig, und es ist abzusehen, wie er endet: eine entfesselt fiepsende Gerätschaft auf der einen und eine nervlich zerrüttete Menschheit auf der anderen Seite. Wir halten dagegen: die letzten schweigsamen Geräte.“ „Wohl aus diesen Gründen“, so schreibt Frank Müller, „belegt der Katalog auf der im Streiflicht der „Süddeutschen Zeitung“ vom 20.1.1999 geführten Rangliste der wichtigsten Bücher einen ehrenhaften zweiten Platz, nur noch übertroffen von Ovids „Liebeskunst“.

Es gibt sie auch in diesem Jahr noch, die guten Dinge. Sie sind aus bombiertem Weißblech oder anodisiertem Aluminium. Viel Bakelit ist dabei, aber auch Duroplast bekommt seine Chance. Man erfährt, dass kaum etwas dichter gewebt ist, als eine zweilagige Mullbindung. Skalen und Beschriftungen werden im „Untereloxaldruck appliziert“ oder „tiefgeätzt“. Der „Klingenhalter mit System“ ist aus „Zamak, vernickelt und mattverchromt.“ Der Griff der Saphirfeile hingegen ist aus Galalith.

Aber kommen wir zum literarischen Teil – zu den manchmal ironischen Produktbeschreibungen, den kulturgeschichtlichen Exkursen und den warentheoretischen Glaubensbekenntnissen. Da ist der Wäschesprenger aus Bakelit (Seite 252) und dazu heißt es: „Dem, der den Umgang mit technisch komplexen Dampfbügeleisen meidet, hilft dieser althergebrachte Wäschesprenger.“ Die Hosenträger Herkules (Seite 285) „stehen im Ruf, den deutschen Mann zusammenzuhalten.“ Oder (Seite 208): „Eine Teekanne, die nicht tropft, müsste aller Erfahrung nach ein Ding sein, das seine Existenz höherer als Menschenmacht verdankt.“ Ich möchte hinzufügen, dass ich ähnliches über Gasthermen vermute. Über den ZENA Rahmschläger (Seite 191) heißt es: „nach unseren Strichlisten ist dies eines der meistbegehrten Opfer der allgemeinen Küchenelektrifizierung“ – was immer das auch heißen,und für was das stehen mag!

Auf Seite 48 finden wir, als Präambel zu den Polstermöbeln, den Satz: „Der Polstermöbelbau ist zu einer Spielwiese für Möbeldesigner geworden, was wir gar nicht tadeln würden, wenn unter den mehr oder minder gelungenen Formen nicht regelmäßig das nackte Elend hauste.“ Apropos Spielwiese: Für die Kassette mit Rommé, Skat und Würfelspiel (Seite 347) findet man folgende Worte: „Spielkarten zeichnen sich dadurch aus, daß sie, wenn man sie braucht, nicht am vermuteten Platz und, ausnahmsweise doch dort angetroffen, nicht vollständig sind.“ Wie es gelingen könnte, dieses Ärgernis mit Hilfe der angebotenen Kassette aus der Welt zu schaffen, wird nicht erklärt.

Mein unangefochtener Liebling im neuen Katalog ist die Reliefkarte aus gebördeltem, bombiertem und geprägtem Weißblech auf Seite 39. „Die 70 cm breite Weltkarte aus Stahlblech zeigt die Welt mit ihren Höhen (die Tiefen läßt sie aus)“. Das steht für sich genommen schon für eine sehr positive und optimistische Welt- und Weitsicht. Aus dem Marianengraben heraus, kann man nicht besonders weit sehen, was ihn in touristischer Hinsicht sehr unattraktiv macht.

Äußerst gelungen finde ich den abschließenden Satz: Die Reliefkarte aus Stahlblech ist eine „filigran zu nennende Projektion unserer Erde, die die Gewalt der großen Gebirgsformationen ertastbar macht und etwa den Bergisch-Gladbacher auf beeindruckende Weise der Illusion beraubt, er lebe ziemlich weit oben.“

Das ist ein Seitenhieb, der sitzt. Da muss den Bergisch-Gladbachern doch schwindelig werden, ob dieser Zurückstutzung in die Höhenregionen einer kaum ertastbaren Erhebung. Im Vergleich zur Schweiz, Österreich und Nepal ist man höhenmäßig höchst mittelmäßig aufgestellt. Da fragt man sich schon was die Waltroper im Kreis Recklinghausen mit den Bergisch-Gladbachern im Rheinisch Bergischen Kreis für einen Strauß auszufechten haben. Waltrop liegt übrigens noch 200 Meter tiefer als Bergisch Gladbach, also bei Auslassung der Tiefen, knapp über der Darstellungsgrenze.

Dank Wikipedia weiß ich jetzt, dass als Bombieren eine wölbende Verformung bezeichnet wird. Allein schon das Maß an Unwissenheit, das wir uns bei der Lektüre des Versandhauskatalogs eingestehen müssen, nötigt uns zur Demut: vor den Machern und vor den Dingen. Frank Müller schrieb: „Denn der Mensch, er paßt gar nicht so recht in das Universum der Dinge. Und wenn er sich doch einmal einschleicht, dann werden ihm von Hoof und Mitarbeitern unnachsichtig die Leviten gelesen.“

Inwieweit sich Manufactum verformt, nachdem das literarische Versandhaus seit kurzer Zeit eine hundertprozentige Tochter der Otto-Gruppe ist, bleibt abzuwarten.

Die Abbildung zeigt die Weltkarte von Fra Mauro aus dem Jahre 1459 und steht unter Creative Commons Licence.





Die Welt in drei Zahlen

23 09 2007

Heute habe ich Radio gehört, Tagesschau geschaut und Tatort gesehen. Das hat immerhin für drei gewichtige Zahlen gereicht, die ich aus dem medialen Rauschen herausdestillieren konnte.

Die Documenta vermeldete nach den bekannten Hundert Tagen einen Besucherrekord. Trotz der Kritik der Kunstkritik an der Ausstellung – was streng genommen auch Aufgabe der Kunstkritik sein sollte – gibt es einen neuen Besucherrekord: 700.000 Besucher waren in diesem Jahr in Kassel.

Die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt baut ebenfalls heute Nacht den ganzen Tand und Tanderadei wieder ab. Auf der IAA waren in 10 Tagen eine Million Besucher. Eine Steigerung um rund 35.000 Besucher, im Vergleich zum Vorjahr.

Das Oktoberfest hat erst Gestern um Punkt zwölf Uhr die Parole ausgegeben: „Ozapft is“. In 17 Tagen werden mehr als 6,5 Millionen Besucher erwartet. Am ersten Wochenende waren es bereits über eine Million.

Das ist eine schöne Bestätigung für den Satz von Bertolt Brecht: „Erst kommt das Fressen und dann die Moral.“ Erst kommt das Saufen, dann muss man schauen, wie man wo hinkommt und dann vielleicht – wenn es passt – ein wenig Kunst, Kultur und Moral. Das ist die Welt in drei Zahlen. Wer will, kann darüber nüchtern werden.

Das Foto stammt aus Wikimedia Commons und steht unter Creative Commons Licence.





Pardauz: Pfefferkuchen

4 09 2007

Es mag am fortgeschrittenen Sommer liegen, der in meiner Erinnerung schon so verblasst ist, als habe er nie stattgefunden. Gestern dachte ich ganz plötzlich an Pfefferkuchen. Heute hab ich im Supermarkt Dominosteine gekauft. Und gerade hab ich die Heizung angeworfen.

Ich weiß nicht, ob die Warenwirt- schaftssysteme des deutschen Lebensmittel- einzelhandels mit Jörg Kachelmanns Firma Meteomedia so verkuppelt sind, dass sie dort die „gefühlte Temperatur“ extrahieren können: Die Temperatur sinkt und plötzlich wird’s Weihnachten in den Regalen. Wahrscheinlich ist es viel simpler. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem plötzlichen Auftauchen von Apfel, Nuss und Mandelkern und dem Ende der Sommerpause von Reinhold Beckmann, ist wahrscheinlich vollkommen aus der Luft gegriffen. Weshalb sollte das angenehme Auftauchen von saisonalen Süßigkeiten in Supermärkten mit einem unangenehmen Ereignis, wie der Rückkehr von Beckmanns Talkshow im Ersten in einem direkten Zusammenhang stehen? Vielleicht ist man der Ansicht, alles im Leben habe seinen Preis? Und Ying und Yang bringe die saisonalen Süßigkeiten mit Beckmanns Rückkehr aus der Sommerpause in einen untergründigen Zusammenhang des Ausgleichs der Gegensätze? Eine ähnlich windige Theorie wäre, dass die vorweihnachtliche Völlerei zu medialen Katastrophen führe und insgesamt für das lausige Fernsehprogramm verantwortlich sei. Strafverschärfend dann gleich für das ganze Jahr. Oder sorge für Überschwemmungen in Griechenland.

Wenn man die High-Tech-Erklärung ebenso ausschließt, wie die esoterische Vernetzungstheorie von Allem mit Jedem und Jedem mit Allem, dann bleibt nur noch eine sehr einfache Erklärung übrig. Noch bevor der Letzte aus dem Sommerurlaub zurück ist, werden die Regale mit süßen Verheißungen gefüllt, die dem Rückkehrer zurufen: „Halt durch, bald ist Weihnachten!“ Dies scheint umso notwendiger, da die gefühlte Urlaubserholung, nach drei Wochen am Arbeitsplatz komplett aufgebraucht ist (laut Wirtschaftsmagazin Capital Nr. 18 auf Seite 12). Für Süßes und Genussvolles beginnt nach der sommerlichen Urlaubszeit zudem ein jährlicher wiederkehrender Wachstumszyklus. Denken wir nur an die alljährliche stattfindende Inkarnation von Mon Chéri.

Während Bären sich auf der nördliche Halbkugel allerorten ihren Winterspeck anfressen, Eichhörnchen emsig wie Eichhörnchen Nüsse sammeln und Zugvögel in Zugvogelschwärmen nach Süden ziehen, endet für viele Menschen jene Phase, die im Vorfrühling mit Frühlingsdiäten und Fitnesstraining begonnen hat. Nach all den Entbehrungen, wird das Leben wieder süß und üppig. „Süßer die Glocken nie klingen“ – wir hören sie schon jetzt. In ihrem Klang lassen wir uns ein wenig gehen, denn die gefühlte Entfernung zu Weihnachten ist nicht mehr so weit. Als Ethnologe könnte man behaupten, all diese Dinge beschleunigen unsere Zeitwahrnehmung. Valentinstag und Halloween bringen zusätzlichen Stress in den Ablauf der Dinge. Ein Ereignis jagt das nächste. Zwischen Frühlingsdiät und herbstlichem Zulegen, liegen gefühlte drei Wochen Urlaub. Natürlich ist man in diesen drei Wochen mobil erreichbar und im Grunde gar nicht fort, sondern nur ein wenig weg und trotzdem ständig verfügbar. Ich weiß nicht, ob andere Ethnologen, außer mir, dies behaupten. So kurz vor Weihnachten fehlt mir die Zeit für eine gründlichere Recherche. Wie sagte doch mein Freund Markus: „Sag mir mal, wann das war, damit ich ein Gefühl dafür bekomme, wie lange das her ist!“

Jedenfalls ist flugs das gesamte Repertoire der weihnachtlichen Süßigkeiten mit Kawumm in den Regalen des Einzelhandels gelandet. Kürzlich gab es noch Grillkohle in rauen Mengen. Und jetzt, pardauz, ist Vorweihnachtszeit.

Vordergründig habe ich bisher über Zeitwahrnehmung, Sommer und vorweihnachtliche Süßigkeiten gesprochen. Ein wenig hintergründiger geht es um Worte. Bei meinen Recherchen habe ich herausgefunden, dass man Wortpate werden kann, um bedrohte Worte vor dem Untergang zu retten. Bastian Sick beispielsweise hat sich das Wort „einander“ ausgesucht. Eine gute Wahl, wie ich finde. Nina Ruge hingegen will sich für die Wortfolge „Alles wird gut“ einsetzen. Keine gute Wahl! Liest man sich die Liste der prominenten Wortpaten durch, dann weiß man wie schwachsinnig wohlmeinende Initiativen im Internet enden können: Silberhochzeit – Iris Berben, Familiensinn – Dr. Ursula von der Leyen, Inkontinenz – SCA Hygiene Products GmbH, Freiheit – Ulrich Wickert, Drogeriemarkt – Dirk Rossmann GmbH.

Es gibt eine Initiative, die das Thema seriös behandelt. Bodo Mrozek, Autor des Buches „Lexikon der bedrohten Wörter“ veröffentlicht auf seiner „Website“ eine Rote Liste der Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. In diese Liste würde ich meine schützenswerten Vokabeln einreihen. Diese sind: Pfefferkuchen, Kawumm, flugs und Pardauz.

Für den lautmalerischen Begriff Kawumm gibt es nicht einmal einen Eintrag im Duden. Pardauz ist dort als veraltet gebranntmarkt. Eine nicht mehr existierende Webseite meint, Pardauz gehöre „zur Kleinkindsprache“ und besage „soviel wie ‘hingefallen’“. Kleine Kinder sagen allerdings nicht „pardauz“, wenn sie hinfallen. Sie schreien. Pardauz sagten früher Erwachsene, wenn ganz flugs, plötzlich und überraschend ein Ereignis mit Kawumm eintrat, das so nicht unbedingt vorhersehbar war. Mit Pardauz fielen Bilder von den Wänden, oder Regale brachen mit Getöse zusammen. Padrauz sagte man hin und wieder, wenn endlich einmal ein Kind hinfiel. Das hieß dann soviel wie, „Da bist du aber mit Schwung aus vollem Lauf auf die Fresse gefallen“.

Ich meine, die Worte flugs, Kawumm und Pardauz könnten in unserer komplexen Welt eine ganz große Zukunft haben. Mit ihnen kann man das folgende aktuelle Geschehen ganz trefflich beschreiben: Da investiert ein sächsische Landesbank, über eine irländische Tochtergesellschaft, in us-amerikanische Immobilienfonts und, pardauz, mit heftigem Kawumm ist das ganze Geld futsch. Flugs wird der ganze Laden an die LBBW verkauft.

Kleine Notiz am Rande: Wäre die Demutsforschung in Deutschland weiter, und wäre sie in den Vorstandsetage der deutschen Konzerne als ernstzunehmender Forschungszweig etabliert, das Risikobewusstsein für solche Transaktionen wäre sicher höher.

Und zum Schluß: Trefflich ist auch so ein Begriff, der zur weiteren Verwendung von mir empfohlen wird. Aber darüber läßt sich trefflich streiten.

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Kommode kommt von Comedy

28 08 2007

Gerade macht ein schwedisches Unternehmen, das vor allem witzige Montageanleitungen produziert, mit der Behauptung auf sich aufmerksam, Mode käme von Kommode. Das ist natürlich Unsinn. Soll aber witzig sein.

Gibt man bei Google „Montagean- leitungen Ikea“ ein, führt der erste Eintrag – na, wohin wohl? Zu Ikea! Dort liest man: „Wir sind gerade dabei, Montageanleitungen auf unserer Website zugänglich zu machen“. Jetzt winken rosige Zeiten für die Liebhaber der witzigen kleinen Comics.

Bisher suchte man die lustigen Zeichnungen vergebens im Internet. Das lag daran, dass die Ikea-Montageanleitungen urheberrechtlich geschützt waren und Ikea kein Interesse daran hatte, den Erwerb der Montageanleitungen freizugeben. In ihren Besitz konnte man nur gelangen, wenn man das dazu passende Möbelstück erwarb. Endlich – so kann man die Ankündigung von Ikea deuten – muss man nicht mehr teure Möbel kaufen, um an die begehrten Zeichnungen zu kommen.

Noch vollkommen unklar ist, mit was Ikea in Zukunft Geld verdienen will. Als nahezu ausgeschlossen gilt, dass dies allein mit Möbeln möglich sein wird. Die Ikea-Montageanleitungen haben den Kultstatus der Marke Ikea maßgeblich mitgeprägt. Von einer eher ungeliebten und gesetzlich geforderten Beigabe, wurde die Montageanleitung zum entscheidenden Alleinstellungsmerkmal der Marke Ikea – zu einem Produktbestandteil, der Ikea sehr wirksam von konkurrierenden Marken, wie beispielsweise Interlübke, Vitra, USM und Bulthaupt, abgrenzte.

Die Ikea-Montageanleitungen haben es sogar geschafft als „Ikea-Klausel“ Eingang in die Rechtsprechung zu finden. Der § 434 des Bürgerlichen Gesetzbuches enthält seit Januar 2002 folgende Formulierung: „Ein Sachmangel liegt bei einer zur Montage bestimmten Sache ferner vor, wenn die Montageanleitung mangelhaft ist, es sei denn, die Sache ist fehlerfrei montiert worden.“ Genau das ist die „Ikea-Klausel“.

Mit was will Ikea also in Zukunft Geld verdienen, wenn die Montageanleitungen frei im Internet verfügbar sind? Andere Unternehmen und Konzerne haben es bereits vorgemacht. Die Deutsche Bahn zum Beispiel, transportiert nur noch aus nostalgischen Gründen Menschen und Güter. Eigentlich betreibt sie, in gut frequentierten Lagen, Shopping Malls. Die Volkswagen AG ist in erster Linie eine Bank. Nur zum Schein werden noch Autos verkauft. McDonalds ist eine Promotionagentur für Filme und Events. Fastfood wird nur noch verkauft, um mit einem profitablen Franchise-Modell globale Promotionareas anbieten zu können.

Harald Schmidt, der gerade im Fernsehen fünfzig wurde, ist ein gutes Beispiel für Veränderungen des Geschäftsmodells. Als Schauspieler mit kleinen Rollen gestartet, war der erste Schritt zu großen Karriere, seine Mitarbeit im Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Vom Schauspieler wurde er zum Kabarettist. Aber erst mit Comedy und Late-Night-Shows kam das große Geld. Was er heute macht, weiß niemand so ganz genau. ARD-Kollegen reden ihn mit „Mein Teuerster“ an.

Was SAP, der weltweit führende Hersteller von Unternehmenssoftware, in Zukunft machen wird, weiß man auch nicht ganz genau. Dass SAP ins Unterhaltungsgeschäft einsteigen will und mit Unternehmen wie Endemol oder der Walt Disney Company in Wettbewerb treten wird, ist unbestätigt. Obgleich das Beispiel aus GoogleVideo (siehe unten) hoffnungsvolle Ansätze in Richtung Comedy enthält. Wer weiß, vielleicht entwickelt SAP eine taugliche Version von globalem Denglisch 1.0 – und wir alle müssen Lizenzgebühren zahlen, weil wir so sprechen.


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Mundhygiene und Datenschutz

16 08 2007

Es ist erstaunlich, was geschultes Personal bei einem tiefen Blick in den Mund alles herausfindet. Ein guter Grund, um öfter mal den Mund zu halten. Man weiß nie, wer reinschaut.

Bedingt durch einen Wohnortwechsel musste ich vor einigen Jahren den Zahnarzt wechseln. Mein alter Zahnarzt war Anfang 40, dreimal geschieden, fuhr einen Sportwagen und war zu dieser Zeit – statistisch gesehen – ein durchschnittlicher Vertreter seiner Berufsgruppe. Was ihn etwas über den Durchschnitt hinaushob war, dass er zweimal von derselben Frau geschieden worden war. Die Folge dieser statistischen Anomalität: Es ging ihm wirtschaftlich nicht ganz so gut, wie dem Durchschnitt der Berufsgruppe.

Bedingt durch meinen Wohnortwechsel suchte ich mir also einen neuen Zahnarzt. Zwei Jahre später wechselte mein neuer Zahnarzt den Wohnort – er ging in die Schweiz, weil er dort mehr verdienen konnte und weniger arbeiten musste. Die Praxis verkaufte er an einen jungen, ambitionierten Kollegen. Dies führte zu einem weiteren Wechsel des Zahnarztes. Damit man das richtig versteht: Nicht ich wechselte den Zahnarzt – meinen Zahnärzten bleibe ich in der Regel länger treu, als sie ihren Frauen – die Praxis wechselte den Zahnarzt und behielt mich als Kunden.

Der junge und ambitionierte Zahnarzt hat ein Zertifikat der American Academy of Cosmetic Dentistry in seiner Praxis. Darauf steht, dass er Member dieser Vereinigung ist und sich demzufolge in kosmetischer Dentisterei sehr gut auskennen muss. Schließlich stammt das Zertifikat aus den USA. Wurzelbehandlungen führt er nicht selbst aus und die Extraktion eines Zahnes fällt auch nicht in seine Kernkompetenz. Ich finde es gut, wenn jemand weiß wo seine Grenzen sind, anstatt in unbekannten Gefilden zu dentisterieren.

Stattdessen hat er viele feenartige Helferinnen, die sich ganz der Zahnpflege und Mundhygiene verschrieben haben. Die ganze Atmosphäre ist ein wenig so, wie in Volker Schlöndorffs Film Die Geschichte einer Dienerin. Ich will nicht sagen, dass sich sexuelle Phantasien über die Maßen in den Vordergrund drängen würden – aber: Es herrschte eine Intimität und Diskretion, die von einem tiefen Wissen über die geheimen Vorlieben des Kunden künden. Dazu gehört, dass jeder Kunde mit seiner persönlichen Fee, in einer langwierigen Prozedur, das Ritual der Reinigung durchlebt.

Eines Tages war meine Fee indisponiert und nicht verfügbar. Eine neue, deutlich jüngere und mir unbekannte sphärische Erscheinung legte mir das Lätzchen um und begann mit der Behandlung. Ihre erste, nicht dem freundlichen Umgang geschuldete Bemerkung war: „Sie rauchen!“ Wohlgemerkt: Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. Ich hatte mich übrigens nie dem Trugschluss hingegeben, dass ein schnell zerkautes Fischermans-Friend kurz vor dem Betreten der Feenlandschaft, meinen Nikotingebrauch wirkungsvoll hätte kaschieren können. Von meiner Seite war dies immer nur ein Akt der Höflichkeit, um meine Fee während der langwierigen Behandlung nicht dem ungefiltertem Odem eines Rauchers auszusetzen. Gerade deshalb schockierte mich wahrscheinlich die direkte Art der Feststellung.

Wenig später hatte sie aus meinem Zahnbelag die nächste Schlussfolgerung gezogen: “Sie trinken Kaffee und Rotwein! Das sieht man an ihren Zähnen!” Die Diagnose war eindeutig. Tee hatte sie als Belagskomponente zu Recht ausgeschlossen. Vollkommen entblößt war meine Existenz, als sie feststellte: “Sie sind Rechtshänder! Das sehe ich daran, dass die Zähne auf der linken Seite gründlicher geputzt sind!” Da liegt man schon wehrlos mit Lätzchen auf einem Stuhl, der einen in unvorteilhafteste Lagen bringt und dann wird man noch schonungslos mit Details konfrontiert, die feengleiche Expertinnen aus dem Zahnbelag lesen. Das ist schon ein Grund demütig den eigenen Lebenswandel gedanklich zu überprüfen. Andererseits fragt man sich, ob Feen der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, was sie sonst noch aus dem Zahnbelag an Informationen gewinnen, aber aus Taktgefühl verschweigen und inwieweit staatliche Stellen auf diese Informationen zugreifen können.

Das Ambiente, in dem diese Informationen gewonnen werden, ist das eines Wellness-Tempels der gehobenen Preisklasse. Früher waren Zahnarztpraxen einfach nur saubere, weiße Räume in denen es nach Borax roch. Dem Wohlfühlfaktor sind allerdings auch heute noch enge Grenzen gesetzt. Wie schreibt Roman Pletter treffend in seinem Artikel über Elmex und Aronal in Brand eins: “Zähneputzen ist ein Bußritual.” Bußrituale sind selbstverständlich ebenfalls ein wichtiges Gebiet der weltweit vernachlässigten Demutsforschung.

Ich will zum guten Ende kommen: Eine dieser Feen hat es tatsächlich geschafft, mir den Gebrauch von Zahnseide so Nahe zu bringen, dass ich diese kleine Folter jeden Abend ausübe. Ich weiß, dass sich jetzt einige meine Leserinnen und Leser voll Abscheu abwenden – aber, es tut nicht weh und danach fühlt man sich wie frisch geduscht. Es ist in jedem Fall angenehmer, als zum Beispiel Bauchnabelpulen.


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